Armut, manche überspielen sie. Sie leben auf großem Fuß, viele sind verschuldet. Andere schämen sich ihrer Armut, sie verstecken diese. Wieder andere ersticken in ihrer Armut und andere schauen weg, weil sie den Anblick kaum ertragen können. Armut ist wirklich, uralt und heutig, greifbar und herausfordernd, sie fesselt, knebelt und macht krank. Sie lässt sich nicht verdrängen.
Kredite, Förderungen und andere Wundermittel, verantwortet oder ergaunert, um Armut zu überspielen, bleiben oft im Hals stecken. Armut, die Leben nicht zerstört und Menschen nicht vernichtet, sondern zur Grundhaltung eines Menschen wird, kann sogar bereichernd sein. Die neuen Superreichen und Milliardäre, von denen es zu viele gibt, sind nicht glücklich, sie leben in Angst, ihr Menschsein ist pervertiert und ihr Leben von der Gier zerfressen. Sie wurden aus der Bahn geworfen. Ihre unglücklichen Gesichter glotzen in den sozialen Medien und manche Adabeis möchten in ihrem Schatten glänzen.
Die Menschheitsgeschichte kennt auch viele Reiche, die die Welt beschenkt haben, sie haben sich selbstlos für die Menschen eingesetzt, für Bildung, Erziehung, Schulen und Universitäten, für die soziale Gerechtigkeit, für die Schaffung von Arbeitsplätzen, für Spitäler, Pflege und Gesundheit, für den fairen Lohn, für Kultur und Kunst, für einen gleichberechtigten Zugang von Frauen zu allen Berufen, für das Ende der Kinderarbeit und den Sklavendienst der Gemergelten, auch, wenn die Welt immer neu im Argen liegt.
Franziskus von Assisi – das heurige Jubiläumsjahr erinnert an sein Sterben vor 800 Jahren – der Poverello, der Arme ist zum Anwalt der Armen und zum Kritiker einer verkommenen Gesellschaft und einer von Reichtum geblendeten Kirche geworden.
Mutter Teresa, die zerbrechliche Frau, hat gezeigt und vorgelebt, dass die Sterbenden und Siechen, abgelegt an den Straßen von Kalkutta, menschliche Nähe und Zuwendung brauchen und niemand ihre menschliche Würde rauben darf. Unzählige Frauen und Männer hat die alte Kirche hervorgebracht, Bekannte und weniger Bekannte, bis in unsere Zeit, auch im grenzenlosen Leid der Kriege, der Folter- und Gaskammern und Vertreibungen. Sie bleiben Retter in Zeiten, in denen die Welt sich selbst aufgibt.
Es gibt sie auch heute: Jene, die in den Armenküchen der Orden die Suppe schöpfen, jene, die Wärmestuben für die Obdachlosen heizen, jene, die in den Kriegsruinen in Gaza, in der Ukraine und vielerorts Wunden verbinden und Tote bestatten, jene, die psychisch Kranke ermuntern, Drogenabhängige begleiten, Neugeborene, von Gebärenden anonym abgelegt, behüten, Sterbenden nahestehen und sie bis zum letzten Atemzug begleiten und ausgenützten und verkauften Frauen wieder Würde geben. Jene, die trösten, heilen, zuhören, ermutigen und aufleben lassen. Nicht selten sind solche helfenden Hände Ordensschwestern, Ordensbrüder, Christen, Menschen, die in ihrem Leben Gott begegnet sind.
Armut hat doch mit Gott zu tun. Der Gott der Christen ist ein armer Gott, einer, der sich für die Menschen und für seine gottlose Welt schindet. Oft versucht der Mensch, diesen Gott auszuliefern, ihn zum Schweigen zu bringen und ihn der Bedeutungslosigkeit zu opfern. Gott kommt unter uns meist zu kurz. Ob wir nicht gerade dabei sind, die Menschen und die Welt von Gott zu entfremden? Gerade deshalb brauchen wir die heilige Fastenzeit, damit wir versöhnt leben mit den Menschen, mit ihrer Welt und mit Gott. Ohne ihn sind wir arm.
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