Nachrichten
DANKE – Eine der schönsten Sprachen
Datum:
18.09.2026
Autor:
P. Karl Schauer OSB

Die Sprache des Dankes ist international, leider auch die Sprache der Undankbarkeit, das Nörgeln der Unzufriedenen und das Hetzen der Nimmersatten. Wirklich Arme schreien kaum, sie sind nicht laut, sie leiden still und finden noch in ihrer Verzweiflung die Spur des Vertrauens, der Hoffnung und des Dankens. Wenn die Menschen nicht mehr zum Danken fähig sind, verkümmern sie. Dann zeigt die Gesellschaft das Gesicht einer geistigen und moralischen Krise und Verwerfung. Denn Undankbarkeit ist der Ausweis der Nimmersatten und Gierigen, des Verdrängens, der Täuschungen und des Aufschaukelns eines unkontrollierten Konsumverhaltens, das die Menschen krank macht.
 

Erntedank ist ein Anlass, daran zu erinnern, dass der Mensch sich verdankt und dass das Leben, gelingendes, gutes, schöpferisches, auch hinkendes Leben keine Selbstverständlichkeit ist. Leben ist mehr als fordern und Geschuldetes, Leben bleibt immer ein Geschenk: Geburt, Familie, Schule, Ausbildung, Freunde, Gespräch, Entscheidungen, die Schöpfung. Manchmal kann sogar eine Krankheit zum Geschenk werden und für Glaubende ist trotz alles Ungewissen das Sterben ein nicht abschiebbares und planbares Geschenk, weil auch Sterben letztlich die bedingungslose Annahme durch Gott ist. Das Leben kennt Zeiten des Dankes, der Ernte, der Aussaat, des Teilens, der Verantwortung, des Verzichtes, der Entbehrung. Leben ist nie Zufall, nicht harmlos und nie bieder. Leben ist kein Kult rechtschaffener Mittelmäßigkeit und muffiger Selbstzufriedenheit. Leben ist aufregend, spannend, verletzlich und angewiesen. Auch das feiern wir zu Erntedank. Wir danken für das Leben und wir danken Gott, der Leben gibt und schöpferische bleibt. Gott ist kein Dieb des Lebens, er schenkt Leben. Aufschnüren und entfalten muss es der Mensch.
 

Alles Willkürliche, zu dem die Menschen fähig sind, wo die Macht zur Kontrolle und die Lüge zur Wahrheit wird, wenn der Mensch entmenschlicht und das Gewissen verordnet wird, wo das Hässliche zur Norm und das Schöne und Gute belanglos wird, wo die verordnete Ideologie die Freiheit kettet, führt nicht zum Dank. Danken hat mit Gott und mit den Menschen, die er nie aus den Augen verliert, zu tun. Deshalb ist Erntedank auch ein Fest des Glaubens, der Gottsuchenden und Gottfindenden, ein Fest, das die Augen schärft, die Herzen öffnet und die unberechenbare Welt und diese geplagte Erde annimmt.
 

Und trotzdem: Dieses Jahr war kein einfaches Jahr, es hat uns und viele Menschen auf die Probe gestellt, die Sommerhitze wurde unerträglich, viele sind gestorben. Unwetterkatastrophen, Erdbeben, Dürre, Klimawandel haben Leben vernichtet, Ernten zerstört und niemand kann sagen, was noch auf diese Erde zukommt. Auch heute ist längst nicht alles machbar und planbar. Das Schlimme können wir kaum verhindern und das Wesentliche nur spärlich ausmachen. Ob die Menschen früher Gott mehr zugetraut haben? Und ob uns die Künstliche Intelligenz überrollen wird, schneller und raffinierter, als wir denken und atmen können?
 

Das Vertrauen Gott gegenüber, der Dank an ihn und die Hoffnung, dass er letztlich alles zum Guten wenden wird, sind nie veraltet und könnte die ehrliche Sprache zum Erntedank sein. Übrigens ein Fest, das in allen Kulturen und Religionen seit jeher gefeiert wird. Übrigens, ein Fest des Lebens, wenn der Mensch nicht vergisst, wer er ist, woher er kommt und wohin er geht.

 

 

Foto: Pixabay