21.05.2026
kfb/KMB/Bildung

"Medien auf dem Prüfstand": Vortrag in Tadten

Sind Medien tatsächlich die „vierte Gewalt“ in unserem Staat?
Wie unabhängig arbeitet die Presse im Zeitalter von Social Media, Fake News und einem radikalen Strukturwandel? Um diese brennenden Fragen drehte sich ein hochinteressanter Vortragsabend, zu dem die Katholische Frauenbewegung (kfb) und die Katholische Männerbewegung (KMB) des Dekanats Frauenkirchen am 21. Mai 2026 einluden.
 

Zahlreiche interessierte Frauen und Männer aus dem gesamten Dekanat füllten das vollbesetzte Pfarrheim in Tadten, um den fundierten Ausführungen eines echten Medienprofis zu lauschen.


Herzlicher Empfang im Zeichen der Zusammenarbeit

Die Diözesanobfrau der kfb, Roselinde Strommer, und der KMB-Dekanatsobmann Hans Haider durften ein sichtlich neugieriges Publikum begrüßen. Die gelungene Veranstaltung fand in bewährter Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung der Diözese Eisenstadt statt. Ein ganz besonderer Dank der Organisatoren ging an die Pfarre Tadten für die Vorbereitung des Pfarrheims sowie für die liebevoll gestaltete Agape im Anschluss.
 

Die vierte Säule der Demokratie unter der Lupe

Als Referent des Abends konnte mit Walter Reiss (langjähriger ORF-Redakteur, Regisseur und Buchautor) ein profunder Kenner der österreichischen Medienwelt gewonnen werden. Reiss spannte in seinem Vortrag „Medien: Die vierte Gewalt?“ einen weiten Bogen und erklärte zunächst die klassischen Grundpfeiler unserer Demokratie, die neben Gesetzgebung (Legislative), vollziehender Gewalt (Exekutive) und Rechtsprechung (Judikative) eben auch auf der kritischen Öffentlichkeit (Publikative) als vierter Säule ruht.


Der erfahrene Journalist beleuchtete kritisch, wer in der österreichischen Medienlandschaft im Hintergrund tatsächlich die Fäden zieht und wem die einflussreichen Zeitungen und Fernsehsender des Landes gehören. Auch der direkte Vergleich zwischen den oft kommerziell getriebenen Privatsendern und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk stand im Fokus.
 

Besonders ausführlich widmete sich der Referent dabei den Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Reiss erklärte die gesetzlichen Anforderungen des ORF, der ein breites Spektrum an Sparten und Programmen abdecken muss, um alle Zielgruppen der Gesellschaft gleichermaßen anzusprechen. Ein europäischer Vergleich der Rundfunkgebühren verdeutlichte zudem, dass Österreich bei den Pro-Kopf-Ausgaben im soliden Mittelfeld liegt. Dieser Beitrag sichere eine unabhängige und verlässliche Berichterstattung, die gerade in Zeiten von einseitigen Online-Inhalten und gezielten Falschmeldungen einen unverzichtbaren gesellschaftlichen Gegenpol bilde.
 

Darüber hinaus beleuchtete der Journalist das Berufsbild und das Anforderungsprofil von Redakteuren sowie die täglichen Herausforderungen im journalistischen Alltag. Auch das Thema Medienethik kam nicht zu kurz: Anhand von Statistiken des österreichischen Presserats wurden die seit dem Jahr 2011 festgestellten Verstöße von Tages- und Wochenzeitungen genau unter die Lupe genommen und kritisch hinterfragt.


Dialog auf Augenhöhe und gemütlicher Ausklang

Walter Reiss gab den Anwesenden zudem sehr praktische und wertvolle Tipps mit auf den Weg, wie man im Alltag bewusster mit der täglichen, oft erdrückenden Nachrichtenflut umgehen kann. Wie groß das Interesse an diesem Thema war, zeigte sich in der anschließenden Diskussionsrunde: Der Referent stellte sich ausführlich den vielen Fragen aus dem Publikum, wodurch eine lebhafte und tiefgründige Debatte entstand.

Nach dem offiziellen Teil fand der Abend bei Brot, Wein und guten Gesprächen einen gemütlichen und harmonischen Ausklang, bei dem die neu gewonnenen Eindrücke noch lange weiterdiskutiert wurden.


Zur Person: Walter Reiss

Walter Reiss blickt auf eine jahrzehntelange, erfolgreiche Karriere zurück. Er war langjähriger Redakteur beim ORF, gestaltete und inszenierte als Regisseur zahlreiche anspruchsvolle TV-Dokumentationen und ist heute als Buchautor und gefragter Moderator tätig.